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und doch



Er lag auf dem Bett, die Decke war locker über ihn geworfen worden, sie nannten es Prophylaxe. Spitzfußprophylaxe damit er später wieder gehen könne ohne Probleme. Als ob er jemals wieder gehen könnte. Er wusste dass dieser Tag nie kommen würde. Sie hatten ihn auf die rechte Seite gedreht, zuvor hatte er auf dem Rücken gelegen und davor, lag er links. Es hatte kaum fünf Minuten gebraucht da waren die beiden schon wieder aus dem Zimmer gewesen. Hatten ihn allein gelassen, zurück gelassen, aufgegeben? Sie sprachen oft mit ihm sprachen Mut zu, sprachen über Dinge die nie sein würden. Sie nannten es womöglich Hoffnung dass sie antrieb. An antrieb fehlte es ihm nicht. Es fehlte ihm viel mehr, an den Fähigkeiten.
Er sah so gut es von seiner Liegenden Position möglich war durch das Zimmer. Es hatte sich viel verändert, es wirkte lang nicht mehr so fröhlich und heiter wie es einst gewesen war. Heute sprang niemand mehr morgens auf seinen Bauch um ihn zu wecken, heute kam niemand mehr im Schlafanzug angerannt und zog an seiner Hand mit den Worten: „ draußen ist es ganz weiß“ Das große Bett war längst gewichen, viel mehr war dort nun ein Bett das er zu hassen begonnen hatte. Es wirkte wie eines der Betten im Krankenhaus dort wo er so dringend hatte gehen wollen und nun hatte er es zu Hause. Sie hatten die weiße Kommode die früher neben der Türe gestanden hatte unter das Fenster neben das Bett geschoben. Darauf lagen so manche Produkte von denen er damals nicht einmal gewusst hatte dass sie existieren. Nun war er genau auf diese Produkte angewiesen, sie hielten ihm am Leben oder das was davon übrig war.
Er beklagte sich nie, er fragte nie warum er, warum nicht jemand anderes und doch.
Er fühlte sich schwach und er war es auch, er war nicht einmal mehr in der Lage den Löffel zu halten. Das einfachste war so schwer geworden, selbst das Lachen kostete manchmal kraft. Er saß nur selten in dem Rollstuhl, er war unbequem und benötigte viel zu viel Platz. Einmal am Tag holten sie ihn raus, setzten ihn aufrecht hin und dann saß er im Wohnzimmer. Beobachtete die beiden, die Menschen die er liebte. Die Menschen die er brauchte und die verlassen würde.
es war zu Weihnachten gewesen, ein Tag wie dieser. Es hatte Geschneit, er erinnerte sich noch daran wie er sich mit ihr an der Hand durch den Schnee gekämpft hatte. Ganz ungeduldig war sie gewesen hatte Schlittenfahren wollen und er zog sie mit sich zu seinem Arzt. Die Ergebnisse auf die er seit zwei Wochen nun schon wartete – sie waren da. Seinem Hausarzt standen die Tränen in den Augen als er die Diagnose verlautete. Er verstand sie sofort, hatte er sich doch schon Wochen zuvor informiert was seine Beschwerden bedeuten würden. Dennoch, an dem Tag an dem er es erfuhr von einem Arzt – veränderte alles. Zuvor hatten sie alle versucht diesen Gedanken zu verdrängen und nun war er wahr geworden.
Sie waren Schlittenfahren gegangen, hatte er es ihr doch versprochen. Es war das letzte Schlittenfahren das sie gemeinsam hatten. Sie hatten sich auf den Schlitten waren der Berg herunter gesaust. Er hatte sie gezogen hatte sie geschoben, hatte sie fest in seinen Armen gehalten. Er hatte nicht geweint, er hatte nie geweint. Er beschwerte sich nicht, und doch.
Er hatte einige Monate später alles dafür getan das für sein Ableben gesorgt war. Er hatte Papiere unterzeichnet, hatte sich sogar schon ausgesucht wie sein Grab einmal aussehen sollte. Und doch hatte es ihn damals einen Stich versetzt als er dies getan hatte. Er hatte sich vorgestellt wie die Menschen dort standen, Menschen die er liebte nicht verlassen wollte und es doch tat. Er hatte versucht sich auszumalen wie es sein würde, wie die beiden groß sein würden. Ob sie sich an ihn erinnern würden? Er hatte alles versucht damit es viele Erinnerungen geben würde. Dennoch blieb die Angst dass, das einzige das den beiden in Erinnerung bleiben würde er war. Im Bett liegend Hilflos, auf andere angewiesen, nicht fähig das zu tun was sie schon so gut beherrschten.
Er versuchte in seinem Bett seinen rechten Fuß zu bewegen und gab es auf als sich nichts rührte. Er bewegte die so schwer gewordene rechte Hand, einige Millimeter waren es und doch war das letzte dass er noch wirklich bewegen konnte. Manchmal versuchten sie ihn aufrecht zu stellen, auf seine Beine. Beine die keinerlei kraft hatten, die ihn nicht mehr zu tragen bereit waren. Er hatte oft überlegt ob es einen Grund dafür gab das er diese Krankheit trug. Aber dafür gab es keinen Grund.
Er hätte am liebsten auf die Decke geschlagen mit seiner Faust doch das ballen seiner Hand zu einer Faust war ihm nicht möglich. Er war hilflos, angewiesen auf Menschen, angewiesen auf Produkte die er nicht kannte. Was war dies für ein Leben?
Er beklagte sich nie, er sagte nichts und doch.
Manchmal überkam es ihn, er wurde wütend ungerecht und schrie, meistens waren die Kleinen Menschen dann nicht zu Hause meist war er dann allein. Dann wenn sie ihn für einen Augenblick auf sich allein gestellt zu Hause ließen da ging es ihm schlecht. Da fühlte er sich allein, Hilflos in einer Welt die nicht gemacht war für Menschen wie ihn. Er würde aus dem Leben treten und wenn er allein war, ganz allein im Haus – da bekam er es mit der Angst.
Sterben, er wollte nicht sterben und doch – er war längst Tod. Er wollte nicht daran denken die beiden kleine allein lassen zu müssen, er wollte nicht daran denken wie irgendwann ein Anderer das blonde Haar streicheln würde und sie küssen würde, sie trösten würde. Er bewunderte immer mehr seine Frau, plötzlich erschien ihm das Versprechen das sie sich gaben als ungerecht, ungerecht für sie. Sie verlor, sie konnte nur verlieren, die schlechten Zeiten von denen der Pastor damals sprach – sie würden nicht Enden, sie würden in seinen Tod münden. Dennoch war sie da, war stets freundlich und lächelte sanft, strich ihm über die Wange sprach mit ihm. Voller Hoffnung und doch:
Sie beklagte sich nie, sie tat alles für ihn und während er hier so lag und spürte das er nicht lange so liegen konnte da bewunderte er sie. Sie war eine starke Frau, hatte erleben müssen wie er es verlernte, wie er einfach nicht mehr konnte obwohl er doch wollte. Sie musste sehen wie er irgendwann nicht mehr gehen konnte, wie er nicht mehr lange den Stand aushielt und wie er schließlich hier lag im Bett. Der Traum des Lebens, er hatte sie eiskalt verführt und dann hatte er sie betrogen.
Sie waren beide in die Falle gegangen, hatten wie so viele Menschen zuvor geglaubt und gehofft das erwischt uns nicht. Wie so vielen Menschen zuvor haben sie sich geirrt. Nun lag er hier, einsam verlassen und doch am Leben. Es konnte morgen, oder auch nächste Woche, doch irgendwann würde er nicht mehr den Brustkorb heben. Er hatte es sich oft vorgestellt, der letzte Atemzug, der letzte Gedanke – ob man wohl bei vollem Bewusstsein spürte dass der Brustkorb, das die Atemhilfsmuskulatur nicht mehr mit machte? Was war das für ein Gefühl plötzlich zu ersticken? Oder war das Herz selbst der wohl ausgereifteste Muskel den es im Menschlichen Körper gibt der, der als erstes versagte? Und würde er dies spüren? Würde er alleine sein? Würde es passieren wenn sie ihn wuschen? Wo wären die Kinder? Wo wäre seine Frau? Wo wäre er?
Er wünschte sich nur einen Augenblick, einen Moment noch. Ein wenig mehr Zeit hätte er sich gewünscht, für sich, für seine Frau und die beiden Kinder. Doch die gab es nicht, die würde es nie mehr geben. Er würde morgen nicht gehen, er würde heute nicht stehen er würde sterben irgendwann und doch.
Er wollte sich gerne vorstellen wie die Kleine aussah wenn er Tod war, ob sie wohl noch immer dieses schelmische lächeln hätte? Und der Kleine wären seine Wangen noch immer Purpur rot wenn er sich aufregte? Würde das strohblonde Haar von der Kleinen noch immer so blond sein? Würden die Locken des Knaben weiter sprießen? Und würden sie ihn vermissen. So viele Fragen und er wusste keine Antwort, so viele Gedanken und es gab keine Erlösung. So vieles und doch so wenig hielt ihn noch hier, hielt ihm bei verstand. Manchmal da hatte er überlegt es wäre einfacher, wenn er verrückt werden würde. Wenn sein Gehirn nicht mehr arbeiten würde wenn er sich verändern würde, wenn er es nicht mitbekommt wie er verfällt.
Sie trat unsicher in das Zimmer, sie trug eine weinrote Strumpfhose und dazu ein weißes Kleid. Ihr Haar war zu einem Zopf geflochten sie lächelte sanft, sie sah aus wie ihre Mutter und doch – sie war ganz eigen. Sie lief auf sein Bett zu und legte ihre Hand auf seine, ihre Hand war eisekalt und doch.
Wie sie dort stand, nicht verstehend warum er plötzlich so anders war und dennoch seine Hand hielt. Da fühlte er sich plötzlich nicht mehr ganz so allein. Seine eigene Hand die sich nur schwer bewegen ließ war warm und sie spürte dies. Sie lächelte noch immer leicht und flüstere: „ draußen ist es ganz weiß“ Er sah aus dem Fenster Schneeflocken vielen vom Himmel. Er hatte es sich gewünscht, ein letztes Mal der Schnee. Er wollte fragen ob sie Schlitten gefahren seihe, wollte fragen wie es ihr ging und doch. Er sah sie nur an, wissend das sie sich vielleicht nie an ihn erinnern würde und doch – diese kleine Hand die ihn da berührte war alles das er brauchte um glücklich zu sein.


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